Die systemische Theorie geht davon aus, dass jeder Mensch ein Teil eines oder mehrerer Systeme ist. Sei es die Familie, der Freundeskreis, das Unternehmen, die Schule etc. Die systemische Arbeit betrachtet also im Coaching nicht nur den Klienten, sondern auch die Systeme, in denen sich der Klient bewegt und kommuniziert.
Sein Anliegen wird so immer unter der Einbeziehung des Gesamtkontextes seiner Systeme angeschaut. Denn wir gehen im systemischen Coaching davon aus, das jeder Teil eines Systems eine Wechselwirkung in diesem verursacht, weil ein System (egal welches) immer nach einem „Gleichgewicht“ strebt. So bewegen sich alle Teile mit, wenn sich ein Teil (im Coaching der Klient) bewegt.

Daher eignet sich das systemische Coaching auch sehr gut für Teams und Organisationen um „hinter den Kulissen“ Bewegungen, Abhängigkeiten und Auswirkungen zu erkennen und an und mit den Menschen im System zu arbeiten!

Da wir autonome Wesen sind, kann hier ein Coaching zwar Impulse geben, aber niemals versprechen, ein Anliegen einfach so „weg-zu-coachen“! Ein Coach ist kein Wunderheiler und wir können nicht zaubern. Der systemische Coach macht Angebote – was meine Klienten daraus machen ist ihre Entscheidung! Das bedeutet auch, dass der Wille zur Veränderung und Lösung bereits vorhanden sein sollte, ob im Unternehmenskontext oder im privaten Coaching …

Der Klient/ das Team kommt also zu mir mit einem Anliegen, welches gelöst werden soll. Allerdings ist es nicht immer leicht, dieses Anliegen, oder Ziel sofort klar zu formulieren. Um das Ziel zu bestimmen helfen systemische Fragen, um das Anliegen zu klären und einen Weg zur Klärung zu finden.

Oft sind es, gerade im privaten Coaching nur vage Gefühle, die einen Menschen bewegen und nicht ruhen lassen. Oder es stehen Entscheidungen an, die sich gerade nicht „entscheiden lassen“ so sehr man es auch versucht …
Hier kann systemisches Coaching wirksam sein, da es immer lösungsorientiert und nicht problemorientiert arbeitet.

Die folgende kleine Geschichte von Paul Watzlawick passt wunderbar, um leicht und amüsant die Problem–Lösung–Geschichte zu verdeutlichen. Sie ist aus seinem vielzitierten Buch: „Anleitung zum Unglücklichsein“ entnommen:

„Der verlorene Schlüssel oder mehr desselben“

Unter einer Straßenlaterne steht ein Betrunkener und sucht nach etwas. Er sucht und sucht, als ein Polizist daherkommt. Dieser fragt ihn, was er denn verloren habe, und der Mann antwortet: „Meinen Schlüssel“. Nun suchen beide gemeinsam den Schlüssel. Schließlich will der Polizist wissen, ob der Mann sicher ist, den Schlüssel gerade hier verloren zu haben, und er antwortet: „Nein, nicht hier, sondern dort hinten — aber dort ist es viel zu finster.“

Hintersinnig beschreibt Watzlawick hier, wie wir in unseren Mustern bleiben um ein Problem zu lösen und „lieber im Licht“ suchen, auch wenn wir besser „Licht ins Dunkel“ bringen sollten … Es finden sich immer Gründe, warum wir nicht dahin schauen, wo vielleicht die Lösung liegt um den gewohnten Pfad nicht verlassen zu müssen.

Als Coach versuche ich gemeinsam mit meinem Klienten an der Lösung zu arbeiten indem wir den (ausgetretenen) Pfad zusammen verlassen und schauen, wie wir Zugang zur Lösung bekommen. Denn ich gehe im systemischen Coaching davon aus, dass die Lösung bereits vorhanden ist, der Mensch/ das Team nur gerade keinen Zugang zu ihr hat. Dabei bin ich weder Ratgeber, Besserwisser oder gebe eine Lösung vor.
Der Coach ist ein Begleiter!

Er bietet den Rahmen, um den Zugang zur Lösung in kleinen oder größeren Schritten herzustellen. Er hilft dabei, Licht ins Dunkel zu bringen. Entsprechend unserer kleinen Geschichte also, weniger zu tun, was „man immer schon so macht“ und stattdessen mehr davon, was bereits einmal zur Lösung geführt hat!
Dies bedingt natürlich, dass der Wille zur Veränderung beim Klienten bereits vorhanden ist!

Gemeinsam können wir nun mit Interventionen und vielen (systemischen) Fragen die bereits vorhandene Lösung sichtbar machen, nach dem (Coaching)Motto: „Schau was guttut und tu mehr davon!“ Also weg vom Problem – hin zur Lösung. Denn wie ich bereits sagte, gehe ich als Coach immer davon aus, dass der Klient bereits alles tut, was er kann und jederzeit sein Bestes gibt.

So finden wir gemeinsam „im Dunkel“ die Ressourcen und können mit einer anderen Perspektive einen Zugang zur Lösung erkennen und nutzen. Der Mensch/ das Team entdeckt so aus sich heraus eine andere (neue) Sicht auf die Dinge und das System. Daher lässt sich dieser Ansatz auch wunderbar auf unzählige Facetten anwenden. Sei es Entscheidungen, Werte-Arbeit, private und berufliche Veränderung, in der Paarbeziehung etc.

Oft ist der Auslöser des Veränderungsprozesses ähnlich diesem Zitat von Georg C. Lichtenberg ein Wunsch nach etwas „anderem“:

„Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird.
Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“

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