Fachkräftemangel – selbst gemacht

Fachkräftemangel in Hotel und Touristik …

Ist das wirklich so?

Oder ist es nicht eher so, dass Tourismus und Hotellerie die vorhandenen und gut ausgebildeten Fachkräfte wissentlich in andere Branchen treiben?

Meine Erfahrung der letzten Jahre ist genau diese.
Es kommen jedes Jahr wieder hervorragend ausgebildete und intrinsisch motivierte junge Leute von den Universitäten, Hotelfachschulen und aus der Ausbildung. Sie haben Praxiserfahrung gesammelt, sind in allen Bereichen des Hotels bereits gut „unterwegs“ und haben diesen Weg in die Touristik ganz bewusst gewählt …
Mit dem Wissen, dass in dieser Branche das Wochenende und die Feiertage nicht „frei“ sind und Schichtarbeit die Regel – nicht die Ausnahme.
Sie bewerben sich dann bei Hotels Ihrer Wahl und sollen dort, TROTZ UMFANGREICHER AUSBILDUNG! erst einmal bis zu einem Jahr als Trainee einsteigen, mit dem Gehalt eines Azubi’s (wenn sie Glück haben), halbjährliche Praktika machen oder sich von Befristung zu Befristung hangeln.

Das haben sie aber schon durch, denn in der Regel haben sie bereits während ihres Studiums und während einer Ausbildung sowieso, ausgiebig für wenig bis kein Gehalt Ihre langen Praxissemester in eben diesen Häusern leisten dürfen!

Ich verstehe, warum ein junger Mensch, der ein Diplom oder einen Bachelor in Touristik- und Hotellerie in der Tasche hat, oder eben seine gute 3 ½ jährige Ausbildung als HoFA sich darauf NICHT einlassen möchte, bzw. kann. Zum Beispiel in einer Stadt wie München, wo es recht schwierig werden dürfte, mit einem Azubi-Gehalt überhaupt eine Wohnung zu finden, geschweige denn den Monat zu „überleben“ …

Diese Fachkräfte verlieren wir dann eben mal an andere Branchen, zum Beispiel an Versicherer, Automobilhersteller, Consultingunternehmen etc. Dort werden sie zumeist auch nicht reich im ersten Jahr, aber sie werden leistungsgerecht bezahlt und nicht verheizt wie in der Touristik.
Mein Postbote hat zum Beispiel auch ein Tourismusmanagement-Studium hinter sich. Ihm wurden allerdings nur Halbtages- oder Traineestellen angeboten als er in’s Tourismus-Mekka Voralpenland gezogen war. Jetzt sagt er: „ … auch wenn mein Studium nun umsonst war, ich muss ja leben und die Post bezahlt mich gut…“

In anderen Fällen werden neue Mitarbeiter nicht eingestellt um die Personalkosten niedrig zu halten. Das vorhandene „Humankapital“ wird also mehr oder weniger verheizt, Dienstpläne gern mal am Vortag geändert, (Von Spätdienst auf Frühdienst switchen ist hier an der Tagesordnung …)
Wen das nicht in den Burnout treibt, verliert zumindest die Freude am Beruf und wechselt früher oder später die Branche.

Bilden wir im Tourismus dafür unsere Fachkräfte aus? Investieren in Hotelschulen und Ausbildung von jungen Menschen, die sich diese Branche für Ihre Zukunft ausgesucht haben?
Und jammern immer wieder und wieder über einen Fachkräftemangel, der doch irgendwie „Hausgemacht“ ist?

Und da habe ich noch nicht einmal von den Arbeitskräften gesprochen, die in der Hotellerie unter Mindestlohn arbeiten und über Subunternehmen eingekauft werden. Diese Diskussion bewegt im Moment auch wieder einmal die Gemüter. Ein Beitrag des TV-Senders Rbb24 hat den Blick der Verantwortlichen von Gewerkschaft, DEHOGA und Gesellschaft auf diese Mitarbeiter gelenkt. Schade, dass hier einmal mehr nichts passieren wird, wenn die erste Aufregung „durch“ ist.

Interessant, das Zitat aus der AHGZ vom Wochenende:“ …. Zum Großteil – aber nicht nur – sind Beschäftigte wie Zimmermädchen oder Küchenhilfen über Subunternehmen angestellt. Zum einen, um Kosten zu sparen, aber auch, weil der Fachkräftemangel keine andere Wahl lässt.“ …

Da haben wir ihn wieder, den Fachkräftemangel. – Hausgemacht!

Einzig  Marco Nussbaum, Founder und CEO von Prizeotel forderte deutlich Konsequenzen, sowie einen anderen Umgang mit den Mitarbeitern. Prizeotel macht es selbst vor. Wie man in seinen Vorträgen hört, ist für ihn das Wichtigste die Motivation. Anstelle einer hoteltypischen vertikalen Hierarchie gibt es in seinen Hotels flache Strukturen und man geht ganz selbstverständlich davon aus: Jeder Mitarbeiter hat Führungsqualitäten!

Bitte nachmachen!

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