Die vier apokalyptischen Reiter

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in Beziehungen

John Gottman, ein US-amerikanischer Psychologe und Beziehungswissenschaftler, forscht bereits seit den 70er Jahren daran, zu ergründen, was zufriedene und glückliche Partnerschaften ausmacht. Er fand in umfangreichen Studien heraus, was toxisch für Paare ist und die Liebe zerbrechen lässt.

Er lud Paare in sein Labor ein und lies sie „streiten“. Bei den Forschungen zusammen mit seinem Partner Levenson fand er heraus, dass später glückliche Paare und später unglückliche Paare massiv unterschiedliche physiologische Werte hatten, während sie im Diskurs über ein Beziehungsthema waren. Bei den (später) unglücklichen Paaren stieg der Puls und ein „Fluchtreflex“ wurde ausgelöst, so als würden hier nicht zwei Liebende, sondern gefährliche Gegner aufeinandertreffen. Er fand allerdings auch heraus, dass bei den Paaren, die (nach ca. 3 Jahren) nicht mehr zusammen waren etwas in der Kommunikation grundsätzlich anders lief als bei den glücklicheren Paaren in seinen Tests.
Für seine dabei errechnete „5:1 Ratio“ wurde er als Beziehungswissenschaftler berühmt.

Dieses 5:1 bedeutet, dass glückliche Paare daran erkannt wurden, dass auch im Konflikt FÜNF positiv erlebte Momente EINEM negativ erlebten Moment gegenüberstehen.
Vielleicht meinst du jetzt: “Oh, das klingt viel. Reicht nicht auch ein 1:1 Verhältnis?“
Laut John Gottman ist das aber definitiv zu wenig. Und wir merken es ja selbst: Negatives Verhalten macht mehr kaputt, als positives Verhalten reparieren kann.
Bleibt das Verhältnis unausgeglichen entsteht im Laufe der Zeit eine Negativ-Spirale, die so machtvoll ist und mehr und mehr negatives nach sich zieht, dass am Ende die Liebenden vor den Scherben ihrer Beziehung stehen.

John Gottman fand auch heraus, dass vier Arten von Negativität besonders gefährlich für Partnerschaften sind. So konnte er in über 90% der Fälle vorhersagen, ob die Paare sich nach ca. 5-6 Jahren trennen würden. Denn diese vier kündigten ziemlich sicher den Niedergang der Beziehung an. Deshalb nannte er sie auch „Die vier apokalyptischen Reiter“ in Beziehungen.

 

Der erste Reiter:
Kritik

    Damit ist natürlich nicht jede Art von Kritik gemeint. Denn dass in einer Beziehung nicht täglich die Sonne scheint und es auch mal Kritik oder Beschwerden gibt, ist jedem klar. Es geht dabei um konkrete Anlässe, zum Beispiel weil der/ die PartnerIn etwas vergessen hat. Ein Problem aufgetreten ist, bei dem sich nicht beide gleich gut einbringen konnten, etc.
Kritik, die hier gemeint ist, geht auf die persönliche Ebene, den Charakter des Gegenübers ein und ist verletzend und auch so gemeint. Wer kennt nicht die Sätze, die mit „IMMER“ beginnen und mit „Nie oder Überhaupt nicht“ enden?
Es geht nicht mehr um die Sache, sondern um den Angriff auf die Person.

 

Der zweite Reiter:
Verteidigung

Die natürliche Reaktion auf Kritik ist Rechtfertigung und Verteidigung. Es liegt nahe, dass wir uns verteidigen, wenn uns jemand angreit. Allerdings im Moment des Partnerschaftskonfliktes keine sonderlich hilfreiche Reaktion.
Indem eine(r) sich versucht zu verteidigen fühlt der / die andere sich in seiner Kritik oder Beschwerde übergangen und nicht gehört. Die Verteidigung mag einen Sinn haben und natürlich wollen wir alle nicht „angegriffen“ werden. Allerdings ist hier ein: „ Ich habe dich und dein Anliegen gehört und denke darüber nach“ hilfreicher als ein sofortiges Kontra. Das zeigt erst einmal Verständnis für das Anliegen und die Gefühle des Gegenübers und nimmt den „Schwung“ aus einem sich anbahnenden Streit, so dass wir wieder auf Augenhöhe miteinander reden können.

 

Der dritte Reiter:
Verachtung

Es ist besonders verletzend, wenn wir vom Partner / der Partnerin vor anderen „durch den Kakao gezogen“ werden. Wenn PartnerInnen in der Beziehung darauf aus sind den anderen BEWUSST zu verletzen, ist laut J. Gottman der Schlimmste aller Reiter unterwegs.
Es verletzt uns, wenn wir das Gefühl haben, nicht respektiert zu werden. Was mit einem genervten Augenrollen beginnt, wird schnell zu bitterem Sarkasmus und wir fühlen uns erniedrigt.
In glücklichen Beziehungen begegnen sich dir PartnerInnen auf Augenhöhe und mit Achtung und Respekt. Taucht der Dritte Reiter also in eurer Beziehung auf, solltet ihr ihn möglichst schnell stoppen, denn er ist ein direkter Vorbote einer Trennung. Wenn die Verachtung der/ des Partners in die Beziehung eingezogen ist, geht es kaum noch um Konfliktlösungen, sondern nur noch darum bewusst zu verletzen. Niemand möchte mit jemandem zusammen sein, der einen nicht respektvoll behandelt und noch weniger wird die Liebe wachsen, wenn die Verachtung in der Partnerschaft dominiert.

 

Der vierte Reiter:
Rückzug

In der Theorie von Gottman tritt dieser Rückzug bei einem Puls von 100 in einem Streitgespräch auf … Olala, ich kenne das bei einem gefühlten Puls ab 180 ;O)
Wir alle kennen das, es geht nicht vorwärts und nicht zurück, dazu wurde schon zu viel „verletzendes“ gesagt. Und nun „mauern“ wir und machen damit jeden Austausch unmöglich. Kritik bleibt unerwidert und wir wenden uns ab. „Indem er sich von ihr abwendet, geht er einem Streit aus dem Weg, aber ebenso seiner Ehe“, sagt John Gottman hier, da dieses Verhalten eher von Männern als von Frauen beobachtet wird.

Sinnvoller als „zu mauern“ wäre in dieser Situation, ruhig seine Gefühle zu äußern und das Gespräch zu vertagen. Die Situation verlassen schützt vor noch mehr Verletzungen und bringt uns wieder zur Ruhe. Allerdings sollte dieses „vertagen“ keine Flucht vor dem Diskurs sein, sondern eine Tür für beide PartnerInnen um ruhig und gelassen vielleicht am nächsten Tag das „eigentliche“ Problem zu besprechen.

Du möchtest mehr zu den Forschungen von John Gottman erfahren? Dann empfehle ich dir das Buch:
Die Vermessung der Liebe von John Gottman und Nan Silver
Du bekommst es beim Buchhändler deines Vertrauens ;O)

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